Fallbeispiel: Scheidung

 

Die Eheleute M. haben zwei Kinder im Alter von 6 und 9 Jahren. Der Ehemann arbeitet Vollzeit und verdient in Steuerklasse 3 monatlich € 3.400 netto. Die Ehefrau ist nach der Kindererziehung wieder halbtags in den Beruf eingestiegen und verdient monatlich € 1.800. Die Eheleute leben seit 4 Monaten getrennt und haben zunächst versucht, alle Punkte einvernehmlich selbst zu regeln.

Zum Jahreswechsel müssen die Parteien die Steuerklasse wechseln und es zeigt sich, dass es zunehmend schwieriger wird, den Unterhalt für die Ehefrau und die Kinder, die Kosten für die neue Wohnung des Ehemannes, die Abzahlungen für das Wohnhaus und die Leasingraten für das Auto zu bezahlen. Der Ehemann will den Unterhalt lieber heute als morgen reduzieren, die Ehefrau ist mit Kindererziehung, Schulproblemen der Kinder und Beruf am Limit und kann auf die Unterhaltszahlungen nicht verzichten. Ferner entsteht Streit über das gemeinsam erarbeitete Vermögen: der Ehemann hat ein Aktiendepot mit einem Wert von € 45.000 aufgebaut, meint aber, er müsse der Ehefrau hiervon nichts ausgleichen. Er beruft sich auf eine Schenkung, die er von seinen Eltern erhalten habe, was der Ehefrau jedoch neu ist.

Der Ehemann möchte das Haus so schnell wie möglich verkaufen, die Ehefrau lebt aber mit den Kindern in der vertrauten Umgebung und will dies unter allen Umständen auch so beibehalten. Die Nerven liegen zunehmend blank und bei Aufeinandertreffen der Eheleute anlässlich der Abholung der Kinder zu Umgangskontakten entsteht immer wieder Streit. Es fallen bereits Worte wie “Haus versteigern”, “keinen Cent mehr Unterhalt” usw.

 

Variante Gerichtsverfahren:

Würden die Positionen zum Familiengericht gebracht, könnten Kosten entstehen wie folgt: Scheidungsverfahren mit nachehelichem Unterhalt und Zugewinnausgleich, 

zwei Instanzen, Kostenaufhebung: € 7.500,00, Verfahren Trennungs- und Kindesunterhalt, zwei Instanzen, hälftige Kostentragung: € 4.300,00, Umgangsverfahren, erste Instanz: € 1.600,00. Gesamtkosten von € 15.000 sind nicht ungewöhnlich, zumal noch weitere Verfahren im Raum stehen wie Wohnungszuweisung, Teilungsversteigerung und zudem im Streitfall Bewertungsgutachten nötig werden, die ebenfalls rund € 2.000 je Gutachten auslösen können.

 

Variante Mediation:

Eine solche, schon zunehmend eskalierte Situation besteht häufig zu Beginn einer Mediation. Oft kann auch hier noch eine Lösung für alle rechtlich relevanten Themen wie Kindesunterhalt, Trennungsunterhalt, Zugewinnausgleich, Gütertrennung, Hausnutzung, Regelung der Umgangskontakte gefunden werden. Für Mediationen in diesem Themenbereich werden häufig 3 – 4 Treffen zu 1 bis 1,5 Stunden benötigt. Bei einen Stundensatz von € 120,00 zzgl MWSt. fallen Gesamtkosten für die Mediation von rund € 850,00 an. Hinzu kommen die Kosten für das reine (schlanke) Scheidungsverfahren mit rund € 2.800 (inkl. MwSt. und aller Rechtsanwalts- und Gerichtskosten) und die notarielle Beurkundung mit rund € 1.600,00, so dass Gesamtkosten von € 5.200,00 zu erwarten sind.

Sie sehen: die Kosten einer streitigen Regelung über langwierige Gerichtsverfahren sind um ein Vielfaches höher als die Kosten einer Mediation mit anschließender notarieller Regelung.

(Quelle)